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Aktuelle Murdynamik in Hochgebirgen Zentralasiens am Beispiel des Nördlichen Tien Shan

Beteiligte Wissenschaftler: Dipl.-Geogr. Thomas Fischer, PD Dr. Florian Haas, Prof. Dr. Otfried Baume (LMU München), Prof. Dr. Michael Becht

Muren sind in kontinental-klimatisch geprägten Hochgebirgen Zentralasiens ein wichtiger geomorphologischer Formungsprozess, der für die Bevölkerung ein beträchtliches Gefahrenpotenzial beinhaltet. Am Beispiel der Nordabdachung des Tien Shan soll der Prozess und die sich mit dem Klimawandel verändernde Dynamik und Verteilungsmuster von Muren untersucht werden. Aufbauend auf detaillierten geomorphologischen Geländeaufnahmen und unter Einsatz von Computermodellen werden die Ursachen für die Verbreitung von Muren in diesem Hochgebirge gerade auch im Vergleich mit den besonders gut untersuchten Alpen herausgearbeitet.

 

Murabgang vom 8. Juli 1921. Das Bild
zeigt die Kunaewa Straße in Almaty
mit Blick Richtung Tien Shan Berge
(Süden)

Quelle: Institut für Geographie, Almaty

Murabgang vom 21. Juni 1979.

Quelle: Kazhyromet
Beispiel von durchgeführten
Kartierungen in Anrisszonen
(rot), Transportzonen (gelb)
und Akkumulationsbereichen
(blau).
Erste Modellausgaben

Mit Hilfe der im Gelände erarbeiteten Datenbasis werden bereits bestehende Dispositions- und Prozessmodelle für Muren, die in der Arbeitsgruppe Physische Geographie entwickelt worden sind, verbessert. Die notwendigen Anpassungen von Parametern auf die vorhandene Naturraumausstattung wie Geologie, Vegetationsverteilung oder das Auftreten von Permafrost geben wichtige Hinweise auf dominante Einflussgrößen der Murdynamik. Die Kenntnis der Parametergewichtungen erlaubt es auch Prognosen über die zukünftige Entwicklung der Murdynamik in den Höhenstufen unter dem Einfluss sich ändernder klimatischer Bedingungen zu geben. Für die Programmentwicklung und Kalibrierung ist das Tal der Kleinen Almatinka vorgesehen, da hier besonders umfangreiche Vorarbeiten vorliegen. Die Validierung erfolgt im benachbarten Tal der Großen Almatinka mit ähnlich guter Datenlage. Beide Täler verfügen über eine gute Forschungsinfrastruktur, aufgebaut durch die Akademie der Wissenschaften in Almaty.

Im Sommer 2010 konnte bereits erfolgreich die erste Geländekampagne des Projektes abgeschlossen werden. Weitere Forschungsaufenthalte fanden vom 15. April bis 20. Mai 2011 und im August/September 2011 statt.

Studentische Abschlussarbeiten im Rahmen des Projektes

Im Rahmen des Projektes besteht die Möglichkeit interessante Fragestellungen in Abschlussarbeiten zu erforschen. Dies beinhaltet natürlich auch Aufenthalte im Untersuchungsgebiet. Folgende Themen sind bereits abgeschlossen, in Bearbeitung oder in Planung:

  • Martina Reinwald (Diplomarbeit, LMU München):
    "Konnektivität von Steinschlag- und Murgangsprozessen für ein hochalpines Untersuchungsgebiet im Nördlichen Tien-Shan, Kasachstan"
  • Fabian Neugirg (Bachelorarbeit, KU Eichstätt-Ingolstadt):
    "Erstellung von Digitalen Geländemodellen aus digitalisierten topographischen Karten und Quantifizierung der Interpolationsmethoden"