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23.05.19

Neues Forschungsprojekt HiddenIce gestartet

Lehrstuhl für Physische Geographie erforscht gemeinsam mit österreichischen KollegInnen klimawandelbedingte Veränderungen an schuttbedeckten Gletschern


Bild der schuttbedeckten Gletscherzunge des Jamtalferners im Silvretta (Foto: Andrea Fischer IGF/ÖAW)

Klimabeobachtungen der letzten Jahrzehnte zeigen weltweit einen starken Temperaturanstieg. Im Alpinen Raum ist dieser Anstieg annähernd doppelt so hoch wie im globalen Mittel, was sich unter anderem in starken Veränderungen an den Gletschern und im Permafrost bemerkbar macht. Die extreme Gletscherschmelze in den vergangenen Jahrzehnten ist dabei sicherlich die sichtbarste Folge des Klimawandels im Hochgebirgsraum. Mit Gletscherschwund und zunehmender Steinschlagaktivität sammeln sich teilweise aber auch große Mengen Schutt an den gegenwärtigen Gletscherzungen an.

Im Allgemeinen sind Gebiete im Übergang von glazialen zu nicht-glazialen Bedingungen sehr instabil und anfällig für Erosion und stellen damit ausgehend von der Gletscherschmelze auch große Mengen an Sedimenten für den fluvialen Transport in hochalpinen Bächen und Flüssen zur Verfügung. Folgen dieser erhöhten Sedimentverfügbarkeit können Murgänge aber auch das Verlanden von Stauseen sein, so dass sich daraus auch eine hohe gesellschaftliche Relevanz ableiten lässt.

Im Rahmen des Hidden.Ice Projekts werden das Wechselspiel von hoher Sedimentverfügbarkeit und starker Gletscherschmelze in der Übergangszone von Gletschereis zu proglazialen Gebieten an Gletschern in Österreich untersucht. Der Titel "Hidden.Ice" verweist auf die Besonderheiten im Verhalten von Gletschern, deren Zungen schuttbedeckt sind und deshalb z.B. nicht so schnell abschmelzen wie nicht schuttbedeckte Eismassen. Neben einer Österreichweiten Kartierung von Gletschern, die aktuell oder in der Vergangenheit durch ein überproportional hohes Sedimentaufkommen gekennzeichnet waren, soll auch eine detaillierte zeitlich und räumlich hoch aufgelöste Studie zur Ablagerung und Remobilisierung von Sedimenten durch fluvialen Transport am Jamtalferner/Silvretta Rückschlüsse darauf geben, was mit den Sedimenten geschieht. Dabei werden die Ergebnisse einer hydraulische Modellierung der potentiellen Transportkapazität von Sedimenten in Gletscherflüssen, einer Analyse der Korngrößenverteilung auf der Gletscheroberfläche und im proglazialen Bereich, und von Berechnungen der Volumenänderungen der Sedimentkörper auf Basis von Drohnen-basierter Photogrammetrie und von Airborne Laserscanning miteinander verbunden. Über die Rekonstruktion der historischen Entwicklungen des Gletscherbaches des Jamtalferners aus historischen Karten, Schriften und Bildern sollen diese aktuellen Daten zusätzlich abgesichert werden. Schwerpunkt der Arbeiten an der KU werden die Drohnenaufnahmen und die 3D Laisercanning Aufnahmen mit dem Helikopter, sowie deren Auswertung und Analyse sein.   

Das Verbundprojekt wird im Rahmen des Forschungsprogramms Earth System Sciences (ESS) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) mit einer halben Million Euro gefördert, wobei etwa 100 000 Euro auf die KU entfallen. Der Eichstätter Projektteil wird von PD Dr. Florian Haas gemeinsam mit Prof. Dr. Michael Becht und PD Dr. Tobias Heckmann geleitet. Unter der Gesamt-Leitung des Institutes für Gebirgsforschung der ÖAW (IGF) sind an dem Projekt neben der KU auch Forscher der Universität für Bodenkultur in Wien (BOKU), der Universität Innsbruck und der Environmental Earth Observation IT GmbH (ENVEO) aus Innsbruck beteiligt.